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Diagnosen - Prostatakarzinom - Therapie
 

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Therapie des Prostatakarzinoms

Wurde bei Ihnen die Diagnose Prostatakrebs gestellt, so sollten Sie mit Ihrem Arzt ausführlich über den Befund und die Prognose Ihrer Erkrankung sprechen. Lassen Sie sich die vorgesehenen Behandlungsschritte und eventuell vorhandene andere therapeutischen Möglichkeiten genau erläutern. Wenn Sie etwas nicht verstanden haben, fragen Sie ruhig nach. In jedem Einzelfall müssen alle an der Behandlung beteiligten Ärzte gemeinsam mit Ihnen die für Sie am besten geeignete Behandlungsstrategie festsetzen.

Der informierte und aufgeklärte Patient, der versteht, was mit ihm geschieht, kann aktiv an seiner Genesung mitarbeiten.

Klassifikation des Tumors

Ein wichtiges Kriterium bei der Wahl der für den Patienten am besten geeigneten Behandlungsmethode ist die Feststellung, wie weit sich der Krebs ausgebreitet hat. Fachleute verwenden dafür verschiedene Begriffe: Krebsklassifikation, Grading, Stadieneinteilung oder auch Staging. Die Einteilung erfolgt nach bestimmten Normen, für die hauptsächlich drei Gesichtspunkte maßgebend sind: T bedeutet Tumor, N bedeutet regionale Lymphknoten, M steht für Metastasen, also Tochtergeschwülste. Man verwendet deshalb auch den Begriff TNM-Klassifikation.

Die Begriffe zu T (Tumor) bedeuten:

T0 = ein Primärtumor lässt sich nicht nachweisen

T1 = der Primärtumor ist kleiner als 2 cm

T2 = der Primärtumor ist 2 - 5 cm groß

T3 = der Primärtumor ist größer als 5 cm

T4 = Tumor jeder Größe mit direkter Ausdehnung in der Nachbarschaft (fixiert)

Die Bezeichnungen zu N (Nodus = Knoten) lauten:

Nx = Lymphknoten lassen sich auf Krebsbefall nicht beurteilen

N0 = kein Befall der regionären Lymphknoten

N1 = Metastasen kleiner als 2 cm in Beckenlymphknoten nachweisbar

N2 = wie N1, aber untereinander oder in Nachbarschaft fixiert

Für M (Metastasen) gelten folgende Unterbegriffe:

Mx = Vorhandensein oder Fehlen von Fernmetastasen kann nicht beurteilt werden

M0 = kein klinischer Nachweis von Tochtergeschwülsten

M1 = Fernmetastasen nachweisbar

Operation

Wie bei vielen anderen Krebsarten so bedeutet auch beim Prostatakrebs die möglichst vollständige Entfernung des Tumorgewebes grundsätzlich die größte Sicherheit.

Allerdings kommt nur für einen sehr kleinen Prozentsatz der Patienten eine solch radikale Operation - der Fachmann spricht von radikaler oder totaler Prostatektomie in Frage. Die Ursache dafür liegt zum einen darin, dass der Krebs bei vielen Männern erst in einem so fortgeschrittenen Stadium erkannt wird, dass der Primärtumor die Kapsel überschritten, Lymphknoten befallen oder Fernmetastasen gebildet hat. Zum anderen befinden sich viele Patienten in einem derartig schlechten Allgemeinzustand, dass der behandelnde Arzt die radikale Operation wegen der möglichen Nebenwirkungen und Komplikationen nicht mehr wagt.

Entscheiden sich Arzt und Patient jedoch für die totale Prostatektomie, dann wird die gesamte Prostata mit Samenbläschen sowie Samenleitern, ein Teil des Blasenhalses sowie die benachbarten Lymphknoten entfernt. Vorrangiges Ziel dieses Eingriffs ist es, eine endgültige Heilung zu erreichen. Die Chancen dafür sind sehr gut, wenn der Tumor bei der Untersuchung der entfernten Prostata weder die Kapsel durchsetzt noch das anhängende Gewebe erreicht hat, und wenn die entnommenen Lymphknoten nicht befallen waren. Es sei an dieser Stelle nochmals betont, dass die Früherkennungsuntersuchungen die Entdeckung des Tumors möglichst in diesem heilbaren Stadium anstreben.

Als wenig erfolgreich hat sich die Entfernung eines (organbegrenzten) Prostatakrebses durch einen operativen Eingriff über die Harnröhre erwiesen (transurethrale Prostataresektion - TUR-P). Diese Operationsmethode, bei der ein Endoskop in die Harnröhre eingeführt wird, die Geschwulst mittels einer elektrischen Schlinge zerlegt und die Gewebeteile schmerzlos durch das eingeführte Metallrohr ausgespült werden, wird zur Entfernung der gutartigen Prostatavergrößerung angewendet. Beim Prostatakarzinom muss jedoch die Vorsteherdrüse mitsamt der Kapsel wegoperiert werden, was auf endoskopischem Wege nicht zu erreichen ist.

Nebenwirkungen der Operation

Neue, verbesserte Operationstechniken haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass die Nebenwirkungen nach einer radikalen Prostataentfernung geringer geworden sind.

So können heute etwa 95 Prozent der Patienten nach der Operation die Blase kontrolliert entleeren. Tritt eine Harninkontinenz, d.h. der unkontrollierte Urinverlust auf, so handelt es sich meist nur um eine vorübergehende Störung. Auch das Erektionsvermögen des betroffenen Mannes kann heute - bei entsprechend geringer Tumorausdehnung - häufiger erhalten werden, während es früher bei fast allen Patienten zu einer dauerhaften Impotenz kam. Eine Garantie für die Erhaltung der Potenz gibt es jedoch nicht.

Bei manchen Patienten kommt es im Anschluss an die Operation zu Infektionen der Harnwege, die mit Antibiotika behandelt werden müssen. Ursache für diese Entzündungen sind Keime, die von der Operationsstelle oder vom Urinkatheter ausgehen, oder die Vermehrung von Bakterien durch gestörten Harnabfluss. Leiden Sie nach der Operation an Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen, informieren Sie umgehend Ihren Arzt.

Nach der Entfernung des Katheters können Sie kurzfristig die typischen Symptome einer „Reizblase" verspüren, d.h. häufigen Harndrang, obwohl nur wenige Tropfen kommen. Eine medikamentöse Behandlung ist hier nur selten erforderlich. Halten diese Symptome jedoch länger an, kann es sich auch um eine - behandlungsbedürftige - Blasenentzündung handeln. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber.

Strahlentherapie

Die Bekämpfung eines Tumors mit Strahlen (= „Radiotherapie" oder „Radiatio") hat im Wesentlichen die Zerstörung der Geschwulst zum Ziel. Bestimmte Strahlen verursachen Schäden im Erbgut der Zellen. Krebszellen haben ein weniger gut funktionierendes Reparatursystem als normale Zellen. Deshalb können die Schäden, die durch die Bestrahlung in diesen Zellen angerichtet werden, schlechter behoben werden: Der Krebs stirbt ab.

Eine Bestrahlung kommt meistens dann in Betracht, wenn der behandelnde Arzt eine Operation und die damit verbundenen Risiken aufgrund des schlechten Allgemeinzustandes des Patienten scheut, wenn der Tumor als besonders bösartig angesehen wird, wenn die Geschwulst relativ groß ist oder wenn bereits Lymphknoten befallen sind. Bei einigen Patienten wird die Strahlentherapie als zusätzliche Maßnahme nach der Operation durchgeführt; damit soll das Risiko einer Wiedererkrankung (Rezidiv) vermindert werden.

Nebenwirkungen der Strahlentherapie

Die einzelnen Bestrahlungen erfolgen über einen längeren Zeitraum einmal täglich an vier bis fünf Tagen in der Woche. Die Strahlendosis wird dabei so gering wie möglich gehalten, um das umliegende gesunde Gewebe zu schonen, dennoch müssen Sie damit rechnen, dass unerwünschte Nebenwirkungen auftreten können, die vor allem die im direkten Bestrahlungsbereich oder die in dessen Nähe liegenden Schleimhäute und die bestrahlte Hautregion betreffen.

So kann es zum Beispiel zu Blasenentzündungen kommen, weil zumindest ein Teil des unteren Blasenviertels im Strahlungsfeld liegt. Häufig treten Harnwegsinfektionen auf, die konsequent behandelt werden müssen. Machen Sie Ihren Arzt darauf aufmerksam!

Bei Entzündungen des Darmes - die Darmschleimhaut ist während dieser Zeit besonders empfindlich - sollten Sie versuchen, den Beschwerden durch entsprechende Ernährungsgewohnheiten entgegenzuwirken.

Ernährungsratschläge für die Zeit der Bestrahlung:

·         Wenn Sie Durchfall haben, meiden Sie scharf gewürzte Speisen, Lebensmittel mit hohem Säuregrad und frisches Obst (ausgenommen Bananen).

·         Wenn irgend möglich, verzichten Sie bei Durchfall auf Medikamente, sondern bevorzugen Sie stopfende Lebensmittel (z.B. gekochten Reis, Haferflocken, Teigwaren, (altes) Weißbrot, Kartoffeln, Mais, gekochte Möhren, kakaohaltige Getränke, Schokolade, Rosinen, Nüsse).

·         Bei Verstopfung gilt ebenso: Bevorzugen Sie Lebensmittel mit abführender Wirkung (z.B. frisches Obst, rohes Gemüse, grüner Salat, Joghurt, Vollkornbrot, Weizenkleie oder -schrot, ungeschälter Reis, Feigen, Dörrpflaumen und anderes Trockenobst).

·         Nehmen Sie reichlich Flüssigkeit (ca. 2 Liter pro Tag) zu sich.

·         Meiden Sie während und kurz nach der Strahlentherapie Alkohol          

Die Haut reagiert in manchen Fällen auf Bestrahlungen mit sonnenbrandähnlichen Symptomen. Die bestrahlte Haut ist gegenüber mechanischen Reizen empfindlich und sollte vorsichtig behandelt werden. Benutzen Sie deshalb keine hautreizenden Seifen, vermeiden Sie Kratzen, Bürsten, Frottieren, die Anwendung von Alkohol oder anderen alkoholhaltigen Flüssigkeiten (z.B. Eau de Cologne, Deospray), hautreizende Pflaster, Einreibemittel, warme, heiße, aber auch eiskalte Umschläge oder Packungen, Infrarot- und UV-Bestrahlung sowie beengende und scheuernde Kleidungsstücke (vor allem aus Kunstfasern). Behandeln Sie die Haut täglich mit einem schmerzlindernden, hautschonenden, entzündungshemmenden Puder (am besten Babypuder). Abends vor dem Zubettgehen empfiehlt sich die Verwendung eines nicht reizenden Hautöls, auch hier ist Babyöl sehr gut geeignet. Diese akuten Reaktionen auf die Bestrahlungen gehen im Allgemeinen einige Wochen bis Monate nach Abschluss der Therapie zurück.

Hormontherapie

Hat das Prostatakarzinom zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Lymphknoten- oder Knochenmetastasen gesetzt, dann ist eine örtliche Behandlung unzureichend, da die Metastasen außerhalb des Behandlungsgebietes liegen. Somit scheiden die Radikaloperation und die Strahlentherapie aus. Zur Anwendung kommt dann eine sogenannte systemische, also auf den ganzen Körper wirkende Behandlung, deren Hauptziel es ist, dem betroffenen Patienten trotz fortgeschrittener Krankheit die Lebensqualität zu erhalten. Besonders wichtig bei dieser palliativen (lindernden) Behandlung (pallium = Mantel) ist, dass alle Maßnahmen möglichst nebenwirkungsarm sind, denn sonst würden die Nebenwirkungen der Therapie im Gegensatz zum Behandlungsziel der Linderung und Erhaltung der Lebensqualität stehen.

Die in diesem Zusammenhang zum Einsatz kommende Hormontherapie (endokrine Therapie) zielt darauf ab, die Wirkung des männlichen Geschlechtshormons Testosteron zu hemmen, denn - wie am Anfang bereits erwähnt - gilt es inzwischen fast als gesichert, dass dieses Hormon ursächlich an der Entstehung von Prostatakrebs beteiligt ist. Grundsätzlich lassen sich drei Arten von Hormontherapien unterscheiden:

·         Entzug der männlichen Geschlechtshormone durch Unterdrückung der Testosteronproduktion (Kastration). Dies kann entweder chirurgisch durch teilweise oder ganze Entfernung der Hoden erfolgen oder chemisch durch geeignete Medikamente (sogenannte LH-RH-Analoga).

·         Blockierung der Wirkung der körpereigenen Geschlechtshormone an den Tumorzellen durch Verwendung von Antiandrogenen.

·         Verabreichung gegengeschlechtlicher, also weiblicher Geschlechtshormone (Östrogene).

Die nebenwirkungsärmste der zuvor genannten Behandlungsformen ist die Kastration und hier, trotz der einmaligen Operation, die Entfernung der Hoden. Hauptprobleme dabei sind: möglicherweise auftretende psychische Belastungen für den Mann durch die zwangsläufige Impotenz und Hitzewallungen. Letztere lassen sich aber durch geeignete Medikamente gut unterdrücken.

Die LH-RH-Analoga (Luteinisierungshormon-Releasing Hormon = Hormon aus dem Zwischenhirn) sind Hormone, die die Hirnanhangdrüse blockieren. Als synthetisch hergestellte Wirkstoffe gleichen sie dem natürlichen Hormon LH-RH, das in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gebildet wird und die Testosteronproduktion der Hoden regelt. Die Gabe dieser Analoga führt also letztlich zum gleichen Ziel wie die chirurgische Kastration. Im Gegensatz zum operativen Eingriff kann diese chemische Kastration jedoch wieder rückgängig gemacht werden.

Die Antiandrogene werden in zwei Klassen angeboten: Die reinen Androgene blockieren die Prostatakrebszellen für den Angriff des Testosterons; die Testosteronbildung im Hoden vollzieht sich unbeeinträchtigt, weswegen unter dieser Behandlung im Gegensatz zu allen anderen hormonellen Behandlungsformen die Potenz erhalten bleibt. Die zweite Gruppe der Antiandrogene blockiert die Krebszellen und unterdrückt zusätzlich die Testosteronbildung im Hoden. In der Praxis haben sich diese Präparate aber bei der Rückdrängung des Prostatakarzinoms als nicht so vorteilhaft erwiesen.

Eine besondere Therapieform ist die kombinierte Anwendung der operativen oder medikamentösen Kastration mit einem reinen Antiandrogen. Sie wirkt sich besonders dann lebensverlängernd aus, wenn die Metastasierung nur ein geringes Ausmaß erreicht hat.

Werden einem Mann weibliche Geschlechtshormone (Östrogene) verabreicht, beeinflussen sie hauptsächlich die Rückkoppelung zur Hirnanhangdrüse und blockieren so die Testosteronproduktion im Hoden. Die Östrogenbehandlung kann jedoch gravierende Nebenwirkungen u.a. auf Herzkreislauf und Blutgerinnung haben, so dass diese Form der Hormontherapie heute nur noch selten angewendet wird.

Eine hormonelle Zusatzbehandlung scheint für diejenigen Patienten sehr wirksam zu sein, bei denen eine radikale Prostatektomie unter der Annahme eines lokal begrenzten Tumors durchgeführt wurde und bei der feingeweblichen Untersuchung in den ebenfalls entnommenen Lymphknoten Metastasen gefunden wurden.

Chemotherapie

Die Chemotherapie ist wie die Strahlentherapie deshalb erfolgreich, weil die verabreichten Medikamente (Zytostatika) Krebszellen eher angreifen als normales Gewebe. Es handelt sich um Zellgifte, die vor allem auf sich teilende Zellen wirken. Da Tumorzellen sich praktisch ständig vermehren, werden vor allem diese geschädigt. Aber auch normales Gewebe, das sich relativ oft erneuert, wird in Mitleidenschaft gezogen.

In der Behandlung des Prostatakrebses spielt die Chemotherapie allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Sie kann dann angewendet werden, wenn der Tumor trotz Hormon- und/oder Strahlentherapie nicht unter Kontrolle gebracht werden kann. Für diesen Fall stehen heute gut verträgliche Chemotherapeutika zur Verfügung.

 


 

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